Über Sichtbarkeit wird viel geredet. Über die zwei Meter danach fast nie: Jemand hat Sie gefunden, war überzeugt genug, um Kontakt aufzunehmen — und dann kommt nichts bei Ihnen an.
Von außen ist dieser Fall nicht von Desinteresse zu unterscheiden. Der Kunde denkt, Sie melden sich nicht. Sie denken, es hat niemand angefragt. Beide haben recht, und beide liegen falsch.
Die drei Stellen, an denen es reißt
Das Kontaktformular sendet nicht. Der Besucher sieht eine Fehlermeldung — oder, schlimmer, eine Erfolgsmeldung, hinter der nichts passiert. Das ist der gemeinste Fall: Die Seite sagt „Danke, wir melden uns“, und die Nachricht existiert nirgends.
Die Telefonnummer ist am Handy nicht anklickbar. Sie steht als Bild da, oder als Text ohne Verknüpfung. Am Schreibtisch fällt das nie auf. Unterwegs bedeutet es: abtippen, oder eben nicht.
Die Anfrage landet im Spam-Ordner. Sie kam an, sie wurde zugestellt, sie wurde nur nie gelesen. Besonders beliebt, wenn Formularmails von einer fremden Adresse im eigenen Namen verschickt werden.
Eine kaputte Zustellung meldet sich nicht. Das ist ihr ganzes Problem.
Uns ist es selbst passiert
Am 25. August 2026 haben wir zwei eigene Fehler dieser Sorte gefunden, am selben Tag, eine Ebene auseinander. Jedes Formular auf dieser Website hat seine Anfragen an einen fremden Dienst weitergereicht — und nur dorthin. Dieser Dienst war defekt und wies jede Anfrage ab. Der Besucher sah „Das hat gerade nicht geklappt“. Im Postfach war nie eine einzige Anfrage angekommen.
Der Ersatzweg, der genau das auffangen sollte, war wirkungslos: Er hing an einer Einstellung, die nie jemand ausgefüllt hatte. Und im Kundenbereich ging es weiter — Einladungen, Passwort-Resets und Sicherheitswarnungen liefen über eine Adresse, die ebenfalls nie gesetzt war. Über die gesamte Laufzeit des Portals ist keine einzige dieser Mails hinausgegangen, während die Oberfläche „prüfen Sie Ihr Postfach“ anzeigte.
Wir schreiben das hin, weil es die ganze Pointe dieses Artikels ist: Das kann jedem passieren, der es nicht ausdrücklich prüft. Anfragen liegen seither in unserer eigenen Datenbank, und der Test dafür endet nicht mehr beim Absenden, sondern erst bei der Zeile, die danach wirklich da sein muss.
Warum grün nicht zugestellt heißt
Das ist die eigentliche Lehre. Man kann ein Kontaktformular prüfen, indem man beobachtet, ob das Absenden fehlerfrei durchläuft. Dieser Test ist grün, egal ob dahinter ein funktionierender Dienst steht oder eine Einstellung, die nie jemand ausgefüllt hat.
Der einzige Test, der etwas wert ist, sieht hinterher nach: Ist die Nachricht dort, wo sie hingehört? Nicht „wurde abgeschickt“, sondern „liegt vor“. Das ist ein Unterschied von einem Satz und von allem.
Was Sie in zehn Minuten selbst prüfen können
Nehmen Sie ein fremdes Gerät — nicht Ihren Bürorechner, auf dem alles eingeloggt und zwischengespeichert ist. Am besten das Handy eines Mitarbeiters, im Mobilfunknetz.
Schicken Sie sich über Ihr eigenes Kontaktformular eine echte Anfrage. Dann warten Sie und sehen im Posteingang nach. Und danach im Spam-Ordner, denn dort entscheidet sich der zweite Fall.
Tippen Sie auf Ihre Telefonnummer. Öffnet sich der Anrufbildschirm? Tippen Sie auf Ihre E-Mail-Adresse. Öffnet sich ein Mailfenster? Rufen Sie Ihre Adresse einmal so auf, wie ein Fremder sie tippt — ohne Lesezeichen, ohne www davor.
In unserer Messung von 91 Vorarlberger Firmen-Websites am 12. August 2026 ließen sich acht überhaupt nicht öffnen. Bei allen achten steht im WKO-Verzeichnis eine Website. Das ist derselbe Fehler, eine Stufe früher: nicht die Anfrage geht verloren, sondern der Besuch.
Was wir dazu nicht sagen
Wir haben nicht erhoben, wie viele Kontaktformulare in Vorarlberg kaputt sind. Wir nennen deshalb keine Quote, weder für die Region noch für eine Branche. Was wir haben, sind acht nicht erreichbare Seiten in einer benannten Stichprobe und zwei eigene Fehler mit Datum.
Und wir behaupten nicht, dass ein funktionierendes Formular Ihnen Kunden bringt. Es bringt Ihnen die Anfragen, die ohnehin an Sie gerichtet waren. Das ist weniger, als Werbung verspricht, und mehr, als die meisten gerade haben.
Wenn Sie wollen, dass jemand das nicht nur einmal, sondern laufend im Auge behält — Formular, Zustellung, Zertifikat, Erreichbarkeit —, steht unter Betreuung, was dabei tatsächlich passiert.
